Maratona 2018 – DAS Radrennen, oder «the hill is coming down»

19 Mitglieder und Freunde des Club TdC haben dieses Jahr wieder den Weg in die Dolomiten gefunden. Der Weg war für manche sehr weit, der «gemeinsame» Maratona dles Dolomites und die Tage danach entschädigten aber für jede Autostunde.

Das Event begann mit einer kleinen Programmänderung (zum Entsetzen von … ), am Ende des Tages hatten aber alle glücklich ihre Startunterlagen in den Händen! Bei der Einrollrunde ließ sich die besondere Atmosphäre des Maratona bereits spüren: Die Rennradfahrer übernahmen mehrheitlich die Straßen rund um das Sella-Massiv!

Aber noch mussten die Rennteilnehmer etwas warten, es stand zunächst eine Expertenrunde zum Thema Radbekleidung mit Luigi Bergamo - dem Gründer von Q 36,5 - auf dem Programm. Wir tauchten ein in die Welt von Thermoregulation, hypdrophobischen und hypdrophilen Fasern, perfekten Mischungen aus Seide & Polyester und optimaler Schweissverteilung. Um die Radbekleidung weiter zu optimieren, führt Q 36,5 ein Forschungsprojekt durch. Hierzu werden an Körper und Kleidung Sensoren angebracht, Teststrecken immer wieder gefahren, alle Daten in Datenbanken gesammelt und schliesslich in standardisierten Testverfahren ausgewertet. Die Erkenntnis: Radbekleidung ist auch eine Wissenschaft für sich! Dennoch, einige praktische alte Weisheiten gelten nach Meinung der Bekleidungsexperten noch immer: Zeitungen unter dem Trikot schützen vor der Kälte am Morgen (aber Vorsicht bei weißen Trikots, bei denen man hinterher die Zeitung eventuell auf dem Trikot lesen kann…) und bei abnehmender körperlicher Aktivität schützt zusätzliche Kleidung vor Erkältungen.

Zur unmittelbaren Vorbereitung auf das Rennen gab uns unser sportlicher Leiter Mario Kummer noch ein paar Tipps mit auf den Weg. Kraft sparen zu Beginn (aber auch nicht zu viel…), Gänge auf keinen Fall aufsparen, Trittfrequenzen nach Möglichkeit nicht unter 70, nicht nur Süsses essen, regelmäßig trinken .... ziemlich viel, was wir Amateure am Folgetag beherzigen sollten (und mit zunehmender Erschöpfung auch nicht mehr immer beherzigt haben)!

Der Renn-Sonntag begann mit frühem Aufstehen und Frühstück um 4:30h! Punkt 5:45h rollten wir zum Start bergab nach La Villa. Die Atmosphäre am Start war wie immer unbeschreiblich: Über 9000 Radfahrer, letzte Fotos der Club TdC-Gruppe, Spässe, aufziehende Sonne, Bergkulisse, das Knattern der Helikopter und schliesslich der Startschuss in Form eines lauten Böögg-Knalles! Natürlich dauert es ein wenig, bis sich 9.000 Radfahrer auf einer schmalen Straße in Bewegung setzen, die gute Organisation in Form von Startblöcken lässt das jedoch gesittet abgehen - naja, mehr oder weniger.

Nach wenigen Kilometern ging es dann in den ersten Anstieg der Sellaronda, dem Passo Campolongo. Es folgten Passo Pordoi, Sella- und Grödnerjoch, die Abfahrten dazwischen ließen jeweils ein wenig Erholung zu. Unbeschreibliche Ausblicke auf die ganz nahen Berge, Wasserläufe, blühende Blumen am Strassenrand, das Surren der Rennräder, das Keuchen mancher Radler – einfach eine Reizüberflutung! Dazu noch ein Gratis-Italienisch-Kurs für Anfänger, zumindest die Vokabeln «sinistra» und «occhio» (was sich nicht von Pinocchio ableitet…) kennen wir jetzt, dank Francesco, Federico, Lorenzo und ... Mario, unser sportlicher Leiter, Freund und Kummerbeseitiger, hat sich liebevoll um uns gekümmert. Er pendelte mit aufmunternden Worten von den Schnellen (naja, unseren Schnellsten dürfte er nicht mehr erreicht haben) zu den Langsamen, und hatte für jeden ein paar Tipps fürs weitere Fortkommen.

Jeder von uns wählte die für ihn passende Strecke, Sellaronda mit 55 km/ 1.800 Höhenmeter, mittlere mit 106 km/ 3.100 HM oder die lange Runde mit 140 km/ 4.200 HM. Die lange Runde ist berühmt berüchtigt für den Passo Giao, ein Anstieg, der jedes Gramm Speck zu viel spüren lässt. Schon so mancher Vorsatz zum Abnehmen wurde wohl genau dort gefasst! Der anschliessende Falzarego ist deutlich einfacher, aber nach all den Höhenmetern dann doch kein Kinderspiel. Berühmt berüchtigt ist am Schluss die «Katzenmauer» mit 19%-iger Steigung (wenn auch nur für wenige Meter), da gibt es nur Absteigen (Ehrensache, nein) oder das Risiko in Kauf nehmen, nicht weiterzukommen und in die Zuschauer zu fallen. Es ist nicht überliefert, dass jemand von uns abgestiegen oder umgefallen wäre! Überglücklich und mit viel Hallo und Ciao kamen schliesslich alle nacheinander ins Ziel und zum Treffpunkt in einem Café in der Nähe des Zieles.

Am nächsten Tag durften wir dann ausschlafen, gegen Mittag ging es ins abgelegene Gadertal zum Pizza oder Pasta-Essen. Zurück im Hotel hatten wir dann aber auch 55 km in den Beinen (so viel zum Thema Ruhetag...). Gleich am Hotel gab’s dann noch Gelegenheit den Wiegetritt stilistisch zu verbessern, Filmaufnahmen mit anschliessender Nachbetrachtung an Mario’s PC inklusive.

Dienstag war unser Ziel der Passo Pellegrini. Auf dem Weg dahin stoppte uns der einzige Platten während all dieser Tag, mit Mario hatte es den Chef persönlich erwischt. Die herumstehenden Club TdC’ler konnten dann staunend beobachten, wie superschnell Mario einen Platten beheben kann, ein Winforce-Gel in den Reifen gelegt (das noch herausquellende Gel erfüllte fast die Funktion der Milch bei Tubeless-Reifen…) und schon ging es weiter. Das Wetter war uns auf dem Rückweg nicht mehr wirklich wohl gesonnen, ein aufkommendes Gewitter und heftiger Regen stoppte die Club TdC’ler. Die Schnellen erreichten gerade noch rechtzeitig eine Gaststätte, die Langsameren kamen dort tropfnass an. Schnell waren die ersten trinkbaren Radler für die gestrandeten Radler bestellt, weitere sollten folgen. Die Weiterfahrt war zu diesem Zeitpunkt ohnehin unmöglich, schliesslich kam der «hill down» (Originalzitat), ja, the hill was coming down. Ein routinierter Alpinist bezeichnet das als Murenabgang. So machten wir es uns bei einer Käseplatte und weiteren Radlern gemütlich. Nach Wiederöffnung der Straße kamen die Daheimgebliebenen und holten uns samt Rädern ab, der Kälteschock einer Weiterfahrt blieb uns dankenswerterweise erspart.

Und schon kam der letzte Tag, an dem wir die Sellaronda - mit ganz neuen Ausblicken - entgegen dem Uhrzeigersinn fuhren. Ein gemeinsames Pasta-Essen und herzliche Abschiede beendeten das 2018er Maratona-Event. Wie bei allen Club TdC-Events gab es wunderbare Rad-Erlebnisse (hier in einer grandiosen Berglandschaft), aber auch viele ernste und lustige Gespräche, die durch die verschiedenen Berufe und die unterschiedlichster Biographien unserer Mitglieder interessant und reizvoll sind und bleiben.

Wir freuen uns schon heute auf eine Wiederholung dieses Events im nächsten Jahr!

Ilse und Stefan

Newsletter bestellen

Sie wollen auf dem Laufenden bleiben?

Dann tragen Sie sich in unseren Newsletter ein! Ca. 4x im Jahr bekommen Sie dann ganz automatisch unsere aktuellsten Informationen.

Newsletter bestellen