„Das war wie das Abitur fürs Radrennfahren“

Junior-Fahrer Jan Lietzke, kam mit der vielleicht untypischsten Radsport-Karriere zum U19-Bundesliga-Team des Hamburger Radsport-Verbandes: Sein erstes Bundesligarennen war zugleich sein erst viertes – „oder fünftes“ – Lizenzrennen. Jan war zuvor in der Fixie-Szene aktiv und fuhr nur Rennen ohne Gangschaltung. Dass man auch damit ordentlich Bums in die Beine bekommen kann, merkte er gleich beim Auftakt: Platz fünf im ersten Bundesliga-Rennen – das war eine Ansage!

Jan, wie kamst du denn vom Fixie-Fahren zum Lizenz-Radsport?

Ich habe schon beim Wintertraining gemerkt, dass ich ganz gut drauf bin und mich dann zum Wechsel entschlossen. Die Perspektive „Bundesliga“ war natürlich grandios – und durch das Sponsoring durch den Club TdC ja plötzlich möglich. Wir hatten dann im vergangenen Winter auch ein wöchentliches Verbandstraining mit Watt-Bikes, da konnte man auch an den Zahlen ganz gut sehen, dass die Form sehr okay war. Ich war jedenfalls gut motiviert ...

Und dann das erste Rennen: Du am Start, quasi ohne Rennerfahrung im Lizenzbetrieb . . . ?

Ja, da steht man dann, und die anderen gucken dich von oben bis unten an und geben dir zu verstehen: „Dich fahren wir jetzt kaputt!“. Da sind alle brandheiß auf das Rennen, alle wollen sich präsentieren und sehr viele haben echte Profi-Ambitionen. Ich war natürlich aufgeregt. Mein Ziel war, einfach nur mitzufahren und nicht abgehängt zu werden. Im Rennen ging dann irgendwann eine kleine Gruppe – acht Mann, und ich war mit dabei. Ich hatte mir halt gedacht: Fährste vorne mit, kann dir weniger passieren. Wir haben getreten wie blöd – und irgendwann hatten wir einen Vorsprung, der so groß war, dass wir freihändig ins Ziel hätten fahren können. Die anderen wussten das alle – ich nicht. Die anderen haben sich ab und zu Informationen von ihren Begleitfahrzeugen geholt – ich hab das total vergessen. Kannte ich halt nicht. Und das, was der Trainer mir zugerufen hat, habe ich nicht verstanden. Ich hab dann als einziger bis ins Ziel getreten wie verrückt, weil ich immer dachte: Hinter uns kommt die Meute ran! Im Sprint lief’s dann nicht perfekt – Platz fünf. Das Lustigste war hinterher, dass ich auch noch ein paar Sprintwertungen gewonnen hatte, ohne es gemerkt zu haben. Ich bin einfach nur gefahren!

Wie sieht denn so ein Bundesliga-Wochenende aus?

Es fanden ja alle Rennen in Süddeutschland statt. Ich glaube, Frankfurt war beinahe der nördlichste Ort, an dem wir gefahren sind. Wir sind mit dem Bus des Landestrainers hingefahren, meistens von der Autobahn direkt zur Rennstrecke. Da dann gleich aufs Rad – Strecke erkunden. Dann ins Hotel – da war es manchmal schon fast dunkel. Am nächsten Morgen früh raus, einschreiben, Transponder holen – und ab an den Start. Ein paar Mal hat’s auch geregnet, das war für mich besonders schlimm. Ich hasse Regen auf dem Rad. Aber da muss man wohl durch.

Wie habt ihr als Team funktioniert?

Menschlich: super. Frei von Eitelkeiten, und wir hatten Spaß. Wenn wir in den Teambesprechungen beschlossen hatten, dass wir zum Beispiel für Philipp oder für Domenic fahren, dann haben sich auch alle dran gehalten. Wir waren aber technisch und taktisch nicht so gut. Es gab etliche Stürze, einmal haben wir uns zu viert selber abgeschossen. Oh Mann! Manchmal haben wir die entscheidende Gruppe verpasst – oder wir haben unsere Körner in den falschen Gruppen verschwendet. Deshalb bin ich im Rückblick nicht ganz zufrieden: Von der reinen Kraft her hätten bessere Ergebnisse rausspringen müssen, bei den meisten von uns. Wir sind häufig zwischen Platz 14 und Platz 30 reingekommen – da war aber mehr drin. Viel mehr. Beim Rennen in Düren zum Beispiel war ich wieder in der Fünf-Mann-Spitzengruppe – und bin völlig unnötig gestürzt, weil mir in einer Kurve der Platz ausging. Sowas ist natürlich extrem ärgerlich. Mir persönlich fehlte einfach Erfahrung. Aber die habe ich jetzt reichlich gesammelt. Für mich war die Bundesliga-Saison wie das Abitur fürs Radrennfahren. Ich habe echt viel gelernt und vor allem Selbstsicherheit und Gelassenheit gewonnen. Und ich weiß jetzt, dass ich da vorne mithalten kann und dass mir mein Körper die richtigen Signale gibt, wenn es drauf ankommt.

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